Wie Odysseus ständig auf der Suche nach der Wahrheit, habe ich diese Reise begonnen, ohne den ganzen Weg zu kennen.
Francesco Tiboni im Interview | Das Trojanische Pferd



AKTUELL
Re: Blutrache in Albanien
ARTE am 30. Juni um 19:40 Uhr
In Albanien wirkt ein jahrhundertealtes Gewohnheitsrecht bis heute nach: der Kanun. Nach seinen Regeln endet die Schuld für einen Mord nicht mit einer Gefängnisstrafe. Oft geraten ganze Familien in einen Kreislauf aus Angst, Vergeltung und sozialer Isolation. Die Reportage begleitet den Vermittler Dede Shullani, der seit Jahren versucht, verfeindete Familien zu versöhnen. Sein aktueller Fall reicht 15 Jahre zurück: Nach einem tödlichen Streit stehen sich zwei Familien unversöhnlich gegenüber. Während die Eltern des Täters abgeschottet leben und um das Leben ihrer Söhne fürchten, lehnt die Witwe des Opfers eine Versöhnung bislang ab.
Auch Schwester Christina begegnet den Folgen der Blutrache täglich. In ihrer katholischen Mission in Shkodra unterstützt sie Frauen, Kinder und Familien, die unter den Auswirkungen der Blutfehde leiden. Gemeinsam mit ihren Mitarbeiterinnen hilft sie Menschen, die oft kaum noch Hoffnung auf ein normales Leben haben.
Der Film zeigt Menschen, die zwischen alten Regeln und modernem Rechtsstaat gefangen sind, und ihrer Angst und Einsamkeit – aber auch von jenen, die sich für Versöhnung und ein Ende der Gewalt einsetzen. Dabei wird deutlich, wie schwer es ist, jahrhundertealte Vorstellungen von Ehre und Vergeltung zu überwinden – und wie wichtig diejenigen sind, die dem Hass mit Menschlichkeit begegnen.